„Wenn die Wahrheit tief vergraben liegt“ von Emilia Harrision

Meine Rezi:
Diese Geschichte lebt für mich weniger von großen dramatischen Ereignissen, sondern vielmehr von ihren Figuren und den Emotionen zwischen den Zeilen. Genau das hat mich so an das Buch gefesselt.
Besonders gelungen fand ich die Art, wie die Autorin ihre Charaktere formt. Niemand wirkt perfekt oder glatt, sondern menschlich, verletzlich und greifbar.
Fenja trägt die Spuren ihrer Vergangenheit deutlich mit sich herum. Sie versucht stark zu sein, kämpft sich durchs Leben und wirkt dabei trotzdem nie künstlich unabhängig, sondern einfach echt. Gerade dieser innere Zwiespalt zwischen Vergangenheit und Gegenwart wirkte unglaublich authentisch.
Am meisten überrascht hat mich allerdings Zeno beziehungsweise Onez. Hinter seiner ruhigen, geheimnisvollen Art steckt so viel mehr, als man anfangs erwartet. Seine Entwicklung gemeinsam mit Fenja hat der Geschichte wahnsinnig viel Tiefe verliehen. Viele Gefühle entstehen dabei eher leise und beinahe unbewusst, wodurch die Dynamik zwischen den Figuren sehr natürlich wirkt.
Ein echtes Highlight war für mich außerdem die Freundschaft zwischen Zeno und Kon. Diese Verbindung hatte etwas unglaublich Ehrliches und Vertrautes. Generell waren auch die Nebenfiguren liebevoll ausgearbeitet. Besonders Zenos Großeltern haben bei mir sofort dieses warme Gefühl ausgelöst, das man beim Lesen einfach genießt.
Es gab viele Momente, die wehgetan haben, andere wiederum haben Hoffnung gegeben. Die Geschichte erzählt von zweiten Chancen, Verlust, Selbstwert und davon, wie sehr uns unsere Vergangenheit prägen kann.
Der Schreibstil der Autorin war wieder absolut mitreißend. Flüssig, emotional und bildhaft. Viele Szenen bleiben im Kopf und die Gefühle wirken intensiv, ohne überladen zu sein. Gleichzeitig gab es immer wieder humorvolle und warme Momente, die die Geschichte schön aufgelockert haben.
Auch den Aufbau zwischen Vergangenheit und Gegenwart mochte ich sehr. Nach und nach setzen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen und vieles bekommt plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Genau das macht die Geschichte spannend, ohne dabei künstlich dramatisch wirken zu müssen.
Eine gefühlvolle Geschichte über Menschen, die versuchen, Vergangenes aufzuarbeiten, dabei Fehler machen und trotzdem ihren Weg zurück zu sich selbst finden.