„Kein Ort dieser Welt“ von Marie Döbling

Meine Rezi:
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wirklich nicht. Dieses Buch hat mich so tief getroffen, dass mir zwischendurch einfach die Worte fehlten. Ich habe gelacht, nur um wenige Seiten später mit Tränen in den Augen dazusitzen. Und manchmal konnte ich einfach nur still dasitzen und das Gelesene sacken lassen, weil es zu viel auf einmal war.
Der Schreibstil der Autorin geht direkt unter die Haut. Teilweise poetisch, aber nie abgehoben. Das Buch liest sich flüssig und wirkt eindringlich und intensiv. Jede Szene lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Und diese Gedichte am Ende der Kapitel … sie haben mich jedes Mal aufs Neue erwischt.
Die Themen sind schmerzhaft und erschreckend real. Zerrüttete Familien, zerbrochene Freundschaften, Mobbing, Einsamkeit, sexualisierte Gewalt. Nichts davon wird beschönigt und Wegsehen ist unmöglich. Auch wenn man es sich in manchen Momenten vielleicht wünschen würde.
Diese Geschichte ist voller Schmerz, Wut, Trauer und Verzweiflung. Doch zwischen all dem Dunkel gibt es diese kleinen, kostbaren Lichtblicke. Eine besondere Freundschaft, die aus einer wirklich schwierigen Situation entsteht. Gefühle, die vorsichtig wachsen. Menschen, die nicht wegschauen, sondern zuhören und schützen. Es hat mich zerstört und gleichzeitig ein kleines Stück wieder zusammengesetzt.
Fiona hat mich besonders bewegt. Sie ist so zerbrechlich und gleichzeitig so unfassbar stark. Eine Kämpferin, die ihren eigenen Wert lange nicht erkennt. Ihr Weg tat weh. Sehr sogar. Ich habe jeden Schritt mit ihr gefühlt und ihre Entwicklung so sehr bewundert. Sie ist eine Protagonistin, die man nicht einfach nach dem Zuklappen des Buches vergisst.
Auch die Nebenfiguren sind unglaublich vielseitig. Manche wollte ich schütteln, manche fest in den Arm nehmen, andere einfach nur anschreien.
Ich habe geweint, gehofft, geliebt, gelitten. Ich war wütend, fassungslos, hilflos. Und dann dieses Ende … es hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Dieses Buch tut weh. Und zwar richtig.
Es zeigt, wie brutal die Realität sein kann. Aber es erzählt eben auch von Menschlichkeit, Mut und von Liebe.
Diese Geschichte hat sich tief in mein Leserherz verwurzelt und ich glaube nicht, dass ich sie so schnell wieder loslassen kann.